Anne Koch

Anne Koch ist 24 Jahre alt und hat sich seit 2009 der Peoplefotografie verschrieben. Eigentlich studiert sie Politikwissenschaft und Öffentliches Recht an der Universität Erlangen, doch inzwischen erwähnt sie ihr Studium nur noch im Nebensatz. So füllt die Fotografie, die sie als „emotive fashion | portrait“ bezeichnet, inzwischen jede freie Minute. Wenn sich Menschen vor der Kamera öffnen, ist das für sie ein ganz besonderes Geschenk.

 

Die Fotografie läuft für Dich immer noch als nebensächliche Sache, oder?

Es scheint nach außen hin zumindest so und mein Studium muss natürlich vor allem, wenn Prüfungen anstehen, immer vorgehen. Tatsächlich aber nimmt die Fotografie in meinem Kopf und Leben schon viel mehr Platz ein als die Uni und der Nebenjob.

 

Oft hat man zu Beginn eigene Ideen, für die man sich dann Menschen sucht, mit denen man diese umsetzen kann. Sind es bei dir mittlerweile mehr Auftragsarbeiten als eigene Projekte?

Das Studium hat natürlich auch den Vorteil, dass ich momentan noch nicht davon leben muss, daher bleibt mir viel Spielraum für eigene Projekte. Zumindest die, die man auf meiner Seite sieht, sind freie Projekte. Es gibt auch Auftragsarbeiten, beispielsweise für einen Schuhladen, eine Burg oder ein Hotel, aber auch Aufträge von Privaten, also Hochzeiten und normale Fotoshootings, die sind aber auf meiner Seite nicht zu sehen.

 

Warum zeigst du diese Fotos auf deiner Seite nicht?

Der Hauptgrund ist eigentlich, dass ich dafür noch nicht den richtigen Platz und die richtige Struktur gefunden habe. Das wird auch kommen, allerdings bleibt mir gerade nicht allzu viel Zeit, meine Seite zu überarbeiten, auch wenn sie schon länger auf meiner To do-Liste steht.

 


 

Wie läuft so ein Shooting bei Dir ab? Spontan oder auch mal mit großer Vorbereitungen?

Das ist ganz unterschiedlich, da ist alles dabei. Von langer Vorbereitungs- und Planungsphase, wie zum Beispiel bei dem Juistprojekt, wo Modelle und Visa gesucht, Kleidung organisiert und auch die Ferienwohnung gebucht werden will, bis hin zu: Hättest du denn morgen Zeit? Prinzipiell läuft das dann so ab, dass das Model Kleidung mitbringt, die wir dann vor Ort zusammenstellen. Dann geht es an Haare und das Make-Up. Sofern keine Visagistin dabei ist, übernehme ich insbesondere das Haarstyling, ich habe ein Faible für Haare. Für so ein Shooting braucht es dann natürlich auch noch eine schöne Location und Assistenten. Viele schöne Orte entdeckt man aber oft auf einem Spaziergang oder auch beim Bahnfahren, während man aus dem Fenster starrt.

 

Welches Equipment hast Du bei Deinen Shootings dabei?

Das variiert je nach Shooting. Natürlich meine Kamera, eine Canon EOS 5D. Mein „Immerdrauf“ ist das 24 – 70 mm 2.8, das ganz wunderbar ist, weil es auch so schön freistellt. Für Hochzeiten leihe ich mir gerne ein Tele, da man damit näher an die Gäste herankommt, ohne ihnen auf die Nerven zu gehen. So entstehen schöne, von dem Objekt der Begierde ungewusste Momentaufnahmen. Für Räume und Architektur ist ein Weitwinkel unerlässlich. Je nach Lichtsituation in Innenräumen kommt noch ein Aufsteckblitz dazu.

 

Welche Programme nutzt Du zur Bearbeitung und wieso denkst Du, ist es wichtig nachzubearbeiten?

Ich bearbeite meine Bilder mit Lightroom und Photoshop, für mich macht es da auch die Kombination dieser beiden tollen Programme. Bildbearbeitung ermöglicht mir insbesondere durch die Farbgebung, eine besondere Stimmung zu schaffen, beziehungsweise das schon vorhandene Gefühl im Bild zu unterstreichen. Für mich eröffnen sich durch die Bearbeitung neue Welten, man kann das innere Bild nach außen kehren.

 

 

Was hältst du von surrealistischen Bildern?

Für mich ist es wichtig, dass es echt und natürlich bleibt und ich schrecke so auch vor großen Umformungen mittels Verflüssigen zurück, mit neuen Welten meinte ich nicht plötzlich Planeten oder ähnliches im Bild. Surrealistische Bilder können natürlich einen besonderen Reiz haben, allerdings ist mir selbst das für meine Fotografie zu weit weg von der Wirklichkeit, zu weit weg vom Menschen.

 

Gibt es ein gewisses Gefühl, das all deine Bilder gemeinsam haben?

Ich denke, so wie jeder Mensch hat auch jedes Bild sein eigenes Innenleben. Aber das Gefühl, das meine Bilder transportieren sollen, ist das der Wahrhaftigkeit. Sie sollen zeigen, was manchmal tief verborgen in dem Mensch liegt. Ich will Ehrlichkeit, Verletzlichkeit, Nähe und Mut. Wenn meine Bilder das können, dann bin ich glücklich.

 

 

Was denkst du über folgende Aussage: Fotograf sein, heißt ein Talent zu besitzen, das man nicht erlernen kann.

Ich denke nicht, dass man damit geboren wird. Ich glaube aber, um ein guter Fotograf zu sein, muss man ein feines Gespür für das haben, was man vor sich hat. Das gilt nicht nur für Menschenfotografie, sondern meiner Ansicht nach auch für Architektur, Produkte etc. Es ist die Fähigkeit, sich auf etwas ganz einlassen zu können. Ich denke, diese Umsichtigkeit und dieses Feingefühl kann man entwickeln und immer weiter ausbauen.

 

Apropos Architektur und Produktfotografie. Sind diese Themengebiete für dich auch interessant?

Ich bin in den Bereichen, so es keine Aufträge sind, eher der Entdecker. Klare Formen und Strukturen finde ich durchaus schön und interessant. Ganz cleanen Studio-Produktaufnahmen kann ich nur selten etwas abgewinnen, sie haben für mich zu wenig Gefühl.

 

 

In deinem Portfolio sieht man häufiger Frauen als Modell. Gibt es zu wenig hübsche Männer?

Ich möchte hier natürlich keinem Mann zu nahe treten und es gibt wirklich wahnsinnig schöne Männer, aber Frauen empfinde ich einfach als ästhetischer und auch ihre Bewegungen sind fließender, weicher. Ich habe bereits einige Männer fotografiert und die Erfahrung sicherlich nicht bereut, allerdings geht mir nur bei Frauen vor der Kamera das Herz auf. Ich glaube auch, dass es Frauen leichter fällt, sich zu öffnen und dem Bild etwas von sich selbst mitzugeben.

 

 

Gibt es einen Fotografen der dich besonders inspiriert?

Es gibt jetzt nicht so etwas wie ein Idol. Ich bin allerdings viel im Internet auf Fotoseiten unterwegs und schaue mir Bilder an, häufig gefallen mir dann einzelne Projekte oder Bilder von Fotografen. Ein Fotograf, der mich mit seiner Lichtsetzung und seinen Bildstimmungen jedoch immer wieder überzeugt, ist Geoff Barrenger.
(http://www.geoffbarrenger.com/ )

 

Worauf darf man als nächstes gespannt sein?

Mein nächstes Projekt ist ein unglaublich spontanes Projekt, es ist eines dieser „Hast Du morgen Zeit?“-Projekte. Mich kommt morgen ein schwangeres Model besuchen, wir wollen die letzten Herbstsonnenstrahlen noch nutzen.

 

Annes Portfolio