Annett Poppe

Ein abgeschlossenes Studium in Kunstpädagogik an der Universität Leipzig bereits in der Tasche, hat sich Annett Poppe nun für ein anknüpfendes Master-Studium entschieden. Die 24-Jährige studiert derzeit Fotografie an der Hochschule für Kunst und Design in Halle (Saale). Seit 2008 arbeitet sie nebenbei als freie Fotografin und beschäftigt sich überwiegend mit der People- und Fashionfotografie. Neben der digitalen Fotografie verwendet sie auch analoge Techniken zur privaten und künstlerischen Verwirklichung. Doch damit nicht genug: Wenn Zeit bleibt, stellt Annett auch Collagen, Druckgrafiken sowie Keramik und Buchkunst her.

 

Mit welchem Ziel hast du damals deine kreative Karriere begonnen?

Eigentlich wollte ich damals Lehrerin für Kunst und Deutsch werden. Dann ist es aber doch nur bei der Kunst geblieben, weil ich eher im außerschulischen Bereich tätig sein wollte. Das Kunstpädagogik-Studium hat mir viele Einblicke und Anstöße in allen möglichen Bereichen der Kunst gegeben, aber zur Fotografie hat sie mich nicht geführt, auch wenn dieses Medium im vorletzten Semester behandelt wurde. Angefangen habe ich schon zu Schulzeiten mit analoger Schwarz/Weiß-Fotografie. Es war einfach spannend für mich in der Dunkelkammer zu experimentieren. Zu dieser Zeit habe ich mich viel mit Selbstporträts und Landschaft beschäftigt. Meine Interesse für Fotografie ist über Umwege durch das Modeln entstanden. Ich wurde mit 17 Jahren in Hamburg bei einer Party gefragt, ob ich Lust auf ein Fotoshooting hätte. Nach ein paar Shootings habe ich schnell eigene Vorstellungen entwickelt und mich im Laufe der Jahre mehr und mehr auf die Seite hinter der Kamera geschlagen. So richtig intensiv wurde es während meines Studiums. So habe ich mich als Spezialisierung nach meinem Bachelor für einen Master im Bereich Fotografie entschieden.

Mit welcher Arbeit hast du deinen Bachelor abgeschlossen?

Bei meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit dem Thema Best Age beschäftigt und ein mehr oder weniger fiktives Fashionmagazin namens  „AGE – Magazin for Fashion and aesthetics“ gemacht. Aus der Werbung und den Medien blicken uns fast ausschließlich Frauen bis Mitte 30 an. Obwohl die Generation 50 plus in vielen Bereichen als die neue Konsumzielgruppe gehandelt wird, werden über 50-Jährige, wenn überhaupt, meist als ältere Herrschaften dargestellt. Das entspricht jedoch nicht dem Bild, welches diese Generation von sich selbst hat. In der Modewelt ist es noch extremer. Für Models, die im Fashionbereich tätig sind, ist die Karriere meist mit 30 Jahren zu Ende. Reine Modemagazine speziell für reife Frauen und Männer gibt es nicht, obwohl diese Generation durchaus an der Modewelt interessiert ist und sich Designerkleidung auch leisten kann. Angelehnt an eine Ausgabe des Modemagazins TUSH zum Thema Gender und der Frauenzeitschrift BRIGITTE Woman habe ich ein eigenes Konzept, Layout und Design für ein Modemagazin zum Thema Best Age für Frauen entwickelt. Die AGE soll aufzeigen, dass auch reife Frauen durchaus schön sein und Mode ansprechend präsentieren können. Neben realen Modestrecken mit Frauen zwischen 30 und 60 Jahren, Sachtexten und Interviews mit Models und Agenturen, stehen fiktive Anzeigen und Beautythemen, da die AGE bisher nur ein Musterexemplar für so ein Magazin ist.

Arbeitest du mit Jungdesignern zusammen?

Früher habe ich mich oft auf die Kleiderschränke meiner Models verlassen, aber mittlerweile habe ich schon sehr genaue Vorstellungen und suche die Kleider oftmals lieber selbst aus. Gelegentlich bietet sich da auch die Zusammenarbeit mit Designern an, wie etwa für die Modestrecken meiner Bachelorarbeit. Durch mein Studium an der Burg Giebichenstein, wo auch Modedesign gelehrt wird, sitze ich nun quasi an der Quelle und es werden sich in Zukunft sicher noch einige Projekte mit Jungdesignern ergeben.

 

Sind es überwiegend freie Arbeiten?

Bisher sind es überwiegend freie Projekte, um meine Fotografie in Richtung Fashion voranzutreiben. Aber der Sinn besteht natürlich darin, dass sich durch solche Kontakte Aufträge ergeben. Das hat in dem ein oder anderen Fall auch schon funktioniert, aber ich stehe noch ganz am Anfang und der Markt und die Konkurrenz sind auf diesem Feld sehr stark. In zwei Jahren werde ich mein Studium beendet haben und dann muss ich sehen, wo ich bleibe im Bildermeer.

Was reizt dich an der Fashion-Fotografie? 

Mich reizt an der Modefotografie vor allem die Inszenierung. Ich mag es neue Bilderwelten zu erschaffen, mich mit den Menschen im Dialog mit den Kleidern zu beschäftigen. Was passt am besten zu wem? Was kann man aus einer Person durch Kleider herausholen, betonen, vielleicht auch verändern? Wichtig ist mir auch immer eine gewisse Harmonie durch die Location und Farben zu erzielen. Ich mag es Ton in Ton und allzuoft gesättigt.

Was war dein bisher größtes Projekt? War es auch mit das Schönste?

Viele meiner Shootings sind sehr schön, wenn alles klappt mit meiner Planung und die Chemie zwischen dem Model und mir stimmt. Wenn es möglich ist, treffe ich mich vor dem Shooting mit meinen Models, damit man sich ein wenig besser kennenlernt und Hemmungen und Distanz abbauen kann. Das finde ich sehr wichtig. Was nun das größte Projekt war, kann ich nicht sagen. Die längste Arbeit an einem Thema mit mehreren Shootings und sehr viel Planung war die Arbeit für mein Fashion-Magazin. Das war zwar auch schön, aber sehr anstrengend.

 

 

Zum Ende deines Studiums war auch die Fotografie Thema. Kam da auch schon die technische Seite dazu?

Die technische Seite hat mich nie groß interessiert und das Nötigste habe ich mir autodidaktisch erarbeitet, auch die Arbeit mit Studioblitzen. Ich probiere viel aus und lerne dadurch. In der Kunstpädagogik lag der Fokus eher auf traditionellen Techniken, wie der Arbeit im SW-Labor und der Bau einer Lochkamera. Außerdem ging es da mehr um inhaltliche Dinge und wie man Kinder an dieses Medium heranführen kann. So richtig technisches Wissen bekomme ich nun in meinem Masterstudium. Dort lernen wir den Umgang mit der Fachkamera, Studiotechnik, analoge Positiv- und Negativverfahren und digitales Bildmanagement.

Wie viel verbindet dich mit der analogen Technik?

Die analoge Fotografie ist für mich die Basis. Ich glaube es hilft sehr, wenn man auch im digitalen Zeitalter mal per Hand ein Bild entwickelt hat, weiß, wie sich die Farben zusammensetzen und das System funktioniert. Ich bin auch noch oft mit meiner uralten Praktika L unterwegs, die nicht einmal einen Belichtungsmesser besitzt. Da lernt man richtig hinzusehen, sich Zeit zu nehmen für ein Bild, das Licht richtig einzuschätzen und sich nicht dem digitalen Rausch des Knipsens hinzugeben. Der Markt funktioniert heute digital und die analoge Fotografie hat meiner Meinung nach ihren Platz in der Kunst gefunden. So handhabe ich das auch für meine Fotografie. Alles, was irgendwie mit Aufträgen und Geldverdienen zu tun hat, löse ich digital und für meine persönlichen und künstlerischen Arbeiten greife ich immer wieder gern zu traditionellen Techniken.

 

Erhälst du durchweg positive Resonanzen für deine Bilder?
Ich habe viel positive Resonanz auf meine Best Age-Fotografie bekommen, aber es stimmt schon, dass das ein sehr sensibles und auch heikles Thema ist. Die Paare „schön und jung“ und „alt und hässlich“ sind sehr in den Vorstellungen der Gesellschaft verankert und es gibt nur wenige Kampagnen, die auf eine Veränderung des Schönheitsideals abzielen, wie etwa die ProAge Kampagne von DOVE. Aber selbst bei den Models ist das nicht unproblematisch. Es gibt viele BestAger, die sich verjüngen indem sie ihr Alter fälschen, sich operieren lassen oder einen Aufstand machen, wenn der Fotograf nicht jede Falte wegretuschiert. Damit hatte auch ich zu kämpfen. Zum Glück gibt es aber auch immer selbstbewusste Frauen, die sich wohlfühlen in ihrer Haut und zu ihrem Alter stehen und ganz begeistert sind, wenn sie auch mit 50 Jahren noch von einem Fotografen ins rechte Licht gerückt werden. Nur das ist leider selten.

In der klassischen Fashion-Fotografie geht es ja meist um Produkte, die passend in Szene gesetzt werden. Woher holst du deine Inspirationen für die Inszenierungen?

Das ist sicherlich der Weg bei kommerziellen Arbeiten, wo es darum geht die Kleider ansprechend zu präsentieren und in einem passenden Rahmen zu inszenieren. Bei freien Projekten hat man da mehr Freiheiten, wie der Name schon sagt. Ich gelange über unterschiedliche Wege zu meiner Inspiration. Manchmal ist es ein Thema, was mich interessiert, ein anderes Mal eine spezielle Location, ein unglaubliches Gesicht, ein Traum oder ein Kleid. Dann baue ich mir den Rest drumherum, so dass das Gesamtbild für mich stimmt.

Was steht als nächstes auf deinem Plan?

Zur Zeit beschäftige ich mich gerade mit Fashionstills. Das ist ein größeres Projekt, bei dem ich mich erst in die Technik der Fachkamera reinfuchsen muss und welches im Februar dann in meiner Hochschule ausgestellt wird.

Welcher Themenbereich würde dich in Zukunft bei Bilder von Freunden interessieren?

Stills und Produktfotografie hattet ihr noch nicht, so weit ich das überschaue. Generell interessiere ich mich aber schon mehr für den Mensch im Fokus der Kamera.

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