Daniel Weinand

Daniel ist 31 Jahre alt und kommt aus Andernach am Rhein. Vor ein paar Jahren ist er nach Kanada ausgewandert und wohnt nun in Ottawa, wo er kreativer Leiter eines erfolgreichen Internetunternehmens ist.Eigentlich wollte er ja immer nur Musik komponieren, aber 2006 hat er dank seiner Schwester angefangen ein paar Bilder zu schiessen und Blut geleckt. Seit jeher hat er die Kamera nicht mehr aus der Hand gelegt. Anfangs hat er Landschaften und Tiere abgelichtet, aber seit 2007  fast ausschliesslich nur noch Menschen. Seine Spezialisierung ist die Beauty- und Portraitfotografie. Daniel wird repräsentiert von der Agentur Blackbook in Canada.

 

 

 

 

 

Deine Auswanderung klingt für mich sehr interessant. Wie kam es dazu?

Meine damalige Freundin (und jetzige Verlobte) ist Kanadierin. Für eine Weile hatten wir eine Fernbeziehung. Dann hab ich ihr eine Uni in der Nähe von meiner gefunden und sie hat in Deutschland für zwei Semester studiert. Als sie zurück nach Kanada musste, bin ich ohne Zögern mit ihr mit.


Wie schwer war es für dich alle - Deutschland und deine Familie- hinter dir zu lassen ?

Ja und nein. Meine Freunde in Deutschland und meine Familie vermiss ich schon sehr. Auf der anderen Seite war es natürlich auch total aufregend in ein fremdes Land zu ziehen. Und für ein Abenteuer bin ich immer zu haben. Seit ich weggezogen bin, fliege ich regelmässig zurück und freu mich jedes Mal tierisch drauf.


In Kanada angekommen; was passierte dann?

Jede Menge Papierkrieg *lacht*. Hab sofort meine Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsgenehmigung beantragt. Von einem guten Freund hab ich ein Angebot bekommen mit ihm an einem Projekt zu arbeiten und das tue ich heute noch, um den Grossteil meiner Brötchen zu verdienen.


Was würdest du anderen Fotografen empfehlen, die den Wunsch haben nach Kanada auszuwandern?

Standhaft zu sein. Das und die Leidenschaft für Fotografie zu behalten. Das klingt vielleicht kitschig, aber “Wo ein Wille, da ein Weg” ist echt wahr. Für Fotografen insbesondere ist es natürlich leichter oder schwerer je nach persönlichem Schwerpunkt. Canada ist ein Traum für Landschaftsfotografen. Hochzeitsfotografen können hier ein Vermögen machen und für Modefotografen ist es kein schlechtes Sprungbrett, um dann eines Tages in New York zu arbeiten.




Hattest du Probleme dich zurecht zu finden was die Fotografie  betrifft?

Auf jeden Fall! Ich glaub das geht den meisten so. Man probiert mal dies mal das und irgendwann beisst sich was fest und dann weiss man im Bauch, dass man das richtige gefunden hat. Ursprünglich hab ich nur Landschaftsaufnahmen und Bilder von Katzen und Eichhörnchen gemacht. Als mich Leute um der Bilder gelobt haben, hatte ich aber nie so richtig das Gefühl, viel zu den Bildern beigetragen zu haben. Ich dachte immer, ich war nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte Glück gehabt die Aufnahme machen zu können. Da hab ich dann angefangen, Menschen im Studio zu fotografieren, wo ich all mein Licht setzen konnte und mit den Personen interagieren konnte. Lustigerweise hab ich vor kurzem eines meiner ersten Bilder, eine Stadtaufnahme von Ottawa verkauft. So schliesst sich der Kreis.


Und wo ist das Bild jetzt zu finden?

Auf den Touristen Stadtkarten von Ottawa, bald in ganz Kanada erhältlich


Wie ist es für dich mit kreativer Arbeit Geld zu verdienen?

Das kommt auf den Auftrag an. Manchmal hat der Art Director ja eine ganz genaue Idee was er sehen will und dann frag ich mich schon, warum ich für den Job ausgewählt wurde. Wenn man selber kaum Freiheiten hat während des Shoots, dann macht das nicht besonders viel Spass. Bis auf einige Ausnahmen nehm ich aus diesem Grund nur noch Aufträge an, bei denen ich kreative Freiheit hab.


Das heißt du möchtest keine Kompromisse eingehen?

Sagen wir es so: Wenn mir ein Projekt nicht 100% zusagt, dann überleg ich mir (bzw. jetzt meine Agentur) für welchen Preis ich es doch annähme. Wenn der Kunde mit dem Kostenvoranschlag nicht glücklich ist, dann war es kein grosser Verlust für mich. Wenn der Kunde annimmt, dann gehe ich auch gern einen Kompromiss ein für den Tag.



Welchen Kundenkreis bedienst du?

Grösstenteils Einkaufszentren und kleinere Modelabel, aber in letzter Zeit mehr und mehr Sänger und Bands. Den Kundenkreis den ich gerne bedienen würde wäre Kosmetik, aber das ist ein harter Markt.


Wir haben uns über deinen Stil unterhalten; deine neuen Arbeiten zeigen natürliche Modelle – macht dir das mehr Spass?

Total! Ich hab mich lange genug im Studio ausgelebt und geniesse Tageslicht und andere Hintergründe als einfarbige Backdrops. Für einen Zeitraum hatte ich soviele (zuviele!) Tests mit Modellen, dass ich von der Hälfte noch nicht einmal die Namen mehr wusste, geschweige denn irgendetwas anderes ausser Hauttyp und wo Dinge retuschiert werden mussten. Von jemandem Fotos zu machen ist ein viel zu intimer Prozess, als das sowas passieren darf. Jetzt ist es mir wichtig, den Menschen kennenzulernen. Ich will hinter die Fassade gucken und dann die wahre Persönlichkeit festhalten.


Wo findest du deine Modelle?

Fast ausschliesslich über Agenturen. Hin und wieder stolpere ich über ein interessantes Gesicht, das ich gern vor der Kamera hätte. Aber der Gedanke, dass ein wildfremder Mann Dich fragt, Dich fotografieren zu dürfen ist dank der vielen schwarzen Schafe mit Kameras leider zu gruselig.


Dadurch könnte dir das eine oder andere Shooting verwehrt bleiben…

Ja schon! Aber Ideen und shootings gibt’s ja wie Sand am Meer. Manchmal sehe ich ein interessantes Gesicht, werde inspiriert und versuch dann jemanden Ähnliches in einer der Agenturen für die Idee zu finden.


Erzähl mir von deinem letzten Shooting.

Das letzte Mal mit meiner Kamera war ich im Hubschrauber 100 Meilen südlich vom Grand Canyon (hin und wieder mach ich ja doch noch Landschaftsaufnahmen). Das letzte shooting mit einem Modell hat über 12 Stunden gedauert. Es war mehr ein Tagestrip als ein shooting wirklich. Wir haben nachts um 3 angefangen und sind dann mit dem Auto ohne besonderes Ziel durch die Gegend gefahren. Wir haben angehalten, wann immer wir etwas Cooles gesehen haben und dann ein paar Bilder gemacht. Haben auch eine Verwarnung für unerlaubtes Betreten bekommen, aber glücklicherweise ist die Polizei aussen vor geblieben. Für den Rest des Trips hatten wir einfach eine gute Zeit.


Was hattest du an Foto Equipment dabei?

An dem Tag hatte ich nur eine digitale 35mm und einen Reflektor dabei. Ich brauchte etwas kleines und flexibles mit dem ich gut unerlaubt Betreten konnte *lach*



Wie wichtig ist dir das Einbinden der Natur in deine Outdoor Fotografie und welche Rolle nimmt diese ein?

Wenn ich über das fertige Bild nachdenke, dann ist es für mich am wichtigsten, dass das Bild eine Geschichte erzählt oder den Betrachter sonst irgendwie in den Bann zieht. Wenn Natur in einem Bild hilft, die Geschichte zu erzählen, binde ich sie natürlich sehr gerne ein. Aber im Mittelpunkt für mich stehen immer die Menschen die ich fotografiere.

 

Hast du dir für das kommende Jahr schon etwas vorgenommen?

Ich bin sehr fasziniert von der Idee, einen Kurzfilm zu drehen. Ich hab einige Filmemacher kennengelernt, seit ich hierhergezogen bin und es hört sich nach etwas an, das ich eines Tages gerne ausprobieren möchte. Anderes auf dem Plan für 2011 ist definitiv mehr Wandern, Berge Klettern und in die Kanadische Fussball Nationalelf aufgenommen zu werden.

 

Hier noch sein Tip an alle Fotografen und die ,die es werden möchten:

Sicher ist es wichtig, seinen eigenen Stil zu finden aber ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, immer wieder Neues auszuprobieren. Mut zur Experimentierfreudigkeit: Es gibt kaum etwas langweiligeres (und überflüssigeres) als ein Fotograf der zehn Jahre lang die gleiche Dreipunkt Beleuchtung praktiziert mit Personen, die alle den gleichen Ausdruck haben. Wenn man jedes shooting immer etwas Neues (sei es Licht, Interaktion mit den Modellen, Nachbearbeitung oder Brennweiten) ausprobiert, geht sicherlich auch mal ein Teil eines shooting in die Hose, aber all zu oft lernt man unheimlich viel Neues und das hilft mit der persönlichen Entwicklung und dem Raffinieren des eigenen Stils.


Daniels Portfolio