Julian Essink





Deine Arbeiten zeigen bekannte Musiker aus der deutschsprachigen Rap Szene , wie kam es zum ersten Kontakt?
Der Kontakt kam relativ schnell und auch einfach. Zwei Rapper (Kay&FiSt) aus Paderborn und Bielefeld haben irgendwann angefragt, ob ich die Fotos für ihr gemeinsames Album machen könnte. Die fragte ich dann, ob sie nicht irgendwen Bekannteres kennen würden, den ich mal fotografieren könnte – so als Promo für mich praktisch. Die kannten dann den Casper, der hat ja auch lange in Bielefeld gewohnt. Und Casper ist gegenüber Fotografen immer sehr offen; leider hat sich unser Shooting damals ein bisschen verschoben. Dafür lernte ich dann aber damals auch Prinz Pi kennen, als die Beiden zusammen tourten. Und an Olli Banjo kam ich über Phreaky Flave aus Paderborn. Der hat mich mal zur Bello3-Tour von Kool Savas mitgenommen.
Welche Erfahrungen konntest du aus der Tour mitnehmen?
Ich war ja nicht auf der Ganzen Tour dabei, nur beim Auftakt in Osnabrück. Aber für mich war das was sehr besonderes; auch weil ich praktisch mit Savas, Banjo etc. in meinen Geburtstag reingefeiert hab, als wir nach dem Konzert da saßen. Die Rapszene ist generell sehr klein, da lernt man (wenn Leuten gefällt, was man macht) schnell Leute kennen. Leider muss man auch sagen, dass die Abläufe in grade diesem Genre etwas unprofessionel sind. Außer halt bei den ganz Bekannten, die arbeiten richtig.
Worin zeigt sich das? Wird mehr Geld investiert?
Naja, da wird Geld investiert weil es vorhanden ist. Aber die machen dann keine halben Sachen oder sind faul. Da wird Zeit reingesteckt, Arbeit. Die wenigen Rapper, die davon leben können, stehen sehr hinter dem, was sie machen. Ein Kool Savas lässt nicht ohne Grund praktisch nur zwei Fotografen an sich ran. Da gibts feste Strukturen, was erwünscht ist und was nicht.
Könntest du mir erklären wieso gerade die Hip Hop Musik Szene mit Klischees behaftet ist , wie keine andere Musikrichtung?
Ich glaube, dass in der Rapszene alle irgendwie ein bestimmtes Image haben bzw. eins zugewiesen bekommen. Das war früher nicht unbedingt so, aber dann kam halt irgendwann Straßenrap. Realtalk. Harte Jungs aus dem Ghetto sprechen über ihr (Pseudo-Ghetto) Leben – und das dann meistens noch in einer passenden Sprachform. Und da im Rap ja sowieso Vergleiche und Punchlines zählen, wird jeder mit irgendwas verglichen.



Hattest du freie Hand bei der Gestaltung der Bilder ?
Nicht unbedingt, wobei ich ja jetzt auch nicht versuche irgendwelche Images zu kritisieren. Da ist diese Klischeegeschichte ganz cool, da kann man immer gut drauf aufbauen.
Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Ich glaube, mein Stil ist an sich sehr einfach. Ich versuche irgendwo natürlich zu bleiben, zumindest was Posen angeht. Daher könnte ich auch nicht der große Modefotograf sein. Modefotografie kann sehr cool sein, aber dieses Gepose ist nicht so meins. Ansonsten fällt glaube ich auf, dass die Leute oft sehr nachdenklich aussehen bzw. traurig, da wenig gelächelt wird. Ich finde das immer komisch, Leuten zu sagen, sie sollen lächeln. Das entsteht aus dem Moment. Ansonsten läuft ja keiner lachend durch die Straßen, zumindest nicht in Deutschland. Was den technischen Aspekt angeht, versuche ich halt echt Bilder zu schaffen, die man sich gerne anguckt. Bilder, die gut aussehn. Auch weil die Menschen dadrauf gut aussehen. Da kommt halt der (hoffentlich) zukünftige Werbefotograf raus.
Meine Definition von einem Hip Hoper (gefühlte 15 Jahre Mtv) sind massive Goldketten,Kapuzenjacken und Baggy Jeans. Deine Bilder zeigen etwas anderes! Führst du bewusst einen Stilbruch ein?
Ich glaube, das liegt weniger an mir, sondern an der HipHop Szene momentan. Das alte Bild wird nur durch wenige Instanzen vertreten. Richtig erfolgreich ist das ja nur in Amerika. In Deutschland tut sich da eine ganz neue Spate auf. Casper trägt enge Jeans, Prinz Pi ist der absolute Technikpro und Marteria war halt auch irgendwann mal Model und Fußballnachwuchstalent. Dazu kommen dann Leute wie die Orsons, die absolut lustig sind. Rap ist nichtmehr das große Gepose und die heftige Story aus dem Ghetto. Das kauft denen ja keiner ab. Und ich hab bisher halt sehr die Rapper fotografiert, die in der neuen Rapgeneration zuhause sind.
Erkennst du ein gutes Motiv auf den ersten Blick?
Meine Motive sind ja Menschen. Und oft denke ich “den/die da würd ich gern mal fotografieren”. Nicht unbedingt, weil die Person dann unglaublich gut aussieht, sondern weil da ein interessanter Mensch vor mir steht. Aber viel kommt ja auch einfach durch die Art wie jemand fotografiert wird. Ich habs aber auch oft, dass ich praktisch wegen eines Jobs jemanden fotografiere und dann erst später merke, dass das Bild echt cool ist.



Wenn du auf die letzten Jahre als Fotograf zurückschaust; wie hat sich deine Sichtweise in der Fotografie verändert?
In den letzten Jahren weniger, eher in den letzten zwei Monaten. Vorher habe ich einfach versucht, mich technisch zu verbessern. Und natürlich hat sich auch irgendwann klargestellt, dass ich irgendwann mein Brot als Fotograf verdienen will. Aber seitdem ich Fotografie studiere, merke ich, was mir vorher fehlte. Eine eigene Bildsprache. Bilder mit Gedanken dahinter. Und das entwickelt sich jetzt. Dabei versuche ich aber trotzdem gut ansehnliche Bilder zu machen, was nicht immer ganz leicht ist.
Wie authentisch sind deine Bilder?
Gute Frage! Also rein prinzipiell sind die ja durchweg inszeniert. Aber man kann ja auch authentisch inszenieren. Das versuche ich. Momentan geht es mir sehr dadrum, dass ich Fotos mache, die sich etwas tiefgründiger mit der abgebildeten Person befassen. Wer steckt hinter der äußeren Schale, darum gehts.
Wie geht du damit um?
Ich beobachte gerne Leute, versuche mir sowas wie Menschenkenntnis anzueignen. Körpersprache interpretieren ist da ein wichtiger Punkt. Wenn es um bekanntere Persönlichkeiten geht, kann man sich ja immer sehr viele Informationen beschaffen.


Wieviel Bearbeitung steckt in deinen Arbeiten?
Immer soviel wie ich für angemessen halte. Ich versuch die Bilder halt schön zu machen, wobei dabei im natürlichen Rahmen zu bleiben. Wenn es ein unglaubliches Gimick werden soll, steck ich wohl auch mal 4 Stunden in ein Bild. Aber normalerweise geht das alles vergleichsweise fix. Ich hab meinen festen Workflow und der funktioniert meistens auch. Wenn ich ein Bild fertig habe und bin dann irgendwie doch nicht zufrieden, fang ich halt nochmal von vorne an.
Wo siehst du dich in 3 Jahren?
In 3 Jahren sollte mein Studium beendet sein, wenn alles glatt und nach Plan läuft. Zu dem Zeitpunkt sollte mein Netzwerk schon so erweitert sein, dass ich praktisch direkt Geld verdienen könnte. Zumindest im Raum NRW. Das möchte ich natürlich dann noch ausweiten. Vielleicht mache ich noch eine Assistenz bei einem bekannten Fotografen. Aber das ist alles noch nicht sicher. Wenn ich überlege, dass ich vor 3 Jahren grade angefangen habe Fotos zu machen, ist es ziemlich schwierig zu sagen, was die nächsten 3 bringen. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich mir bis dahin einen guten Namen gemacht habe. Wo ich dann wohne, hängt halt auch teils davon ab, wie es in meinem Privatleben aussieht. Zumindest hab ich ja eine Freundin mit der ich fest in meiner Zukunft plane.