Julian Essink

Julian Essink mag erst 19 Jahre jung sein, doch seine Ambitionen gleichen die eines echten Profis: Er will sich auf dem deutschen, aber auch weltweiten Werbemarkt etablieren. Seit 201o studiert er Fotografie und Medien in Bielefeld, knapp drei Jahre zuvor entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie. Seine Arbeiten entstammen der People-Fotografie. Julian arbeitet ausschließlich digital und verfeinert die Dateien durch gezielte Postproduction. Er ist ständig daran interessiert Kontakte zu knüpfen und seinen Namen überregional bekannt zu machen.

 

 

 

 

 

 

 


Deine Arbeiten zeigen bekannte Musiker aus der deutschsprachigen Rap-Szene. Wie kam es zum ersten Kontakt?

Der Kontakt kam relativ schnell und auch einfach zustande. Zwei Rapper (Kay & FiSt) aus Paderborn und Bielefeld haben irgendwann angefragt, ob ich die Fotos für ihr gemeinsames Album machen könnte. Die fragte ich dann, ob sie nicht irgendwen Bekannteres kennen würden, den ich mal fotografieren könnte, so als Promo für mich. Die kannten dann Casper, der auch lange in Bielefeld gewohnt hat. Casper ist gegenüber Fotografen immer sehr offen, aber leider hat sich unser Shooting damals ein bisschen verschoben. Dafür lernte ich dann aber auch Prinz Pi kennen, als die beiden zusammen tourten. An Olli Banjo kam ich über Phreaky Flave aus Paderborn. Der hat mich mal zur Bello3-Tour von Kool Savas mitgenommen.


Welche Erfahrungen konntest von der Tour mitnehmen?

Ich war nicht auf der ganzen Tour dabei, nur beim Auftakt in Osnabrück. Aber für mich war das was sehr Besonderes, auch weil ich mit Savas, Banjo und den anderen in meinen Geburtstag reingefeiert habe, als wir nach dem Konzert da saßen. Die Rapszene ist generell sehr klein, da lernt man, wenn Leuten gefällt, was man macht, schnell Leute kennen. Leider muss man auch sagen, dass die Abläufe in gerade diesem Genre etwas unprofessionell sind. Außer bei den Bekannten der Szene, die arbeiten richtig.


Worin zeigt sich das? Wird mehr Geld investiert?

Naja, da wird Geld investiert, weil es vorhanden ist. Aber die machen dann keine halben Sachen oder sind faul. Da wird Zeit reingesteckt, viel Arbeit. Die wenigen Rapper, die davon leben können, stehen sehr hinter dem, was sie machen. Ein Kool Savas lässt nicht ohne Grund praktisch nur zwei Fotografen an sich heran. Da gibt es feste Strukturen, es ist klar, was erwünscht ist und was nicht.

 

Könntest  du mir erklären, wieso gerade die Hip Hop-Szene mit so vielen Klischees behaftet ist?

Ich glaube, dass in der Rapszene alle irgendwie ein bestimmtes Image haben oder eins zugewiesen bekommen. Das war früher nicht unbedingt so, aber dann kam halt irgendwann Straßenrap, Realtalk. Harte Jungs aus dem Ghetto sprechen über ihr (Pseudo-Ghetto) Leben und das dann meistens noch in einer passenden Sprachform. Und da im Rap ja sowieso Vergleiche und Punchlines zählen, wird jeder mit irgendwas verglichen.

 

 

Hattest du freie Hand bei der Gestaltung der Bilder ?

Nicht unbedingt, wobei ich auch nicht versuche irgendwelche Images zu kritisieren. Da ist diese Klischee-Geschichte ganz cool, da kann man immer gut drauf aufbauen.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich glaube, mein Stil ist an sich sehr einfach. Ich versuche natürlich zu bleiben, zumindest was Posen angeht. Daher könnte ich auch nicht der große Modefotograf sein. Modefotografie kann sehr cool sein, aber dieses Gepose ist nicht meins. Ansonsten fällt auch auf, dass die Leute oft sehr nachdenklich oder traurig aussehen, da wenig gelächelt wird. Ich finde es immer komisch, Leuten zu sagen sie sollen lächeln. Das entsteht aus dem Moment heraus. Ansonsten läuft ja keiner lachend durch die Straßen, zumindest nicht in Deutschland. Was den technischen Aspekt angeht, versuche ich Bilder zu erschaffen, die man sich gerne anguckt und gut aussehen. Auch, weil die Menschen darauf gut aussehen. Da kommt der hoffentlich zukünftige Werbefotograf raus.

Meine Definition von einem Hip-Hopper sind massive Goldketten, Kapuzenjacken und Baggy Jeans. Deine Bilder zeigen etwas anderes. Führst du bewusst einen Stilbruch ein?

Ich glaube, das liegt weniger an mir, sondern an der Hip-Hop-Szene momentan. Das alte Bild wird nur durch wenige Instanzen vertreten. Richtig erfolgreich ist das nur in Amerika. In Deutschland tut sich da eine ganz neue Sparte auf. Casper trägt enge Jeans, Prinz Pi ist der absolute Technikpro und Marteria war irgendwann mal Model und Fußball-Nachwuchstalent. Dazu kommen dann Leute wie die Orsons, die absolut lustig sind. Rap ist nicht mehr das große Gepose und die heftige Story aus dem Ghetto. Das kauft denen keiner ab. Ich habe bisher vor allem die Rapper fotografiert, die in der neuen Rap-Generation zuhause sind.

Erkennst du ein gutes Motiv auf den ersten Blick?

Meine Motive sind Menschen. Oft denke ich, den oder die würde ich gern mal fotografieren. Nicht unbedingt, weil die Person unglaublich gut aussieht, sondern weil da ein interessanter Mensch vor mir steht. Aber viel entsteht auch einfach durch die Art, wie jemand fotografiert wird. Ich habe es aber auch oft, dass ich wegen einem Job jemanden fotografiere und dann erst später merke, dass das Bild echt cool ist.


 


Wenn du auf die letzten Jahre als Fotograf zurückschaust – wie hat sich deine Sichtweise in der Fotografie verändert?

In den letzten Jahren weniger, eher in den letzten zwei Monaten. Vorher habe ich einfach versucht, mich technisch zu verbessern. Und natürlich war mir auch irgendwann klar, dass ich irgendwann mein Brot als Fotograf verdienen will. Aber seitdem ich Fotografie studiere, merke ich, was mir vorher fehlte: eine eigene Bildsprache, Bilder mit Gedanken dahinter. Das entwickelt sich jetzt. Dabei versuche ich aber trotzdem ansehnliche Bilder zu machen, was nicht immer ganz leicht ist.

Wie authentisch sind deine Bilder?

Gute Frage. Also rein prinzipiell sind meine Bilder durchweg inszeniert. Aber man kann auch authentisch inszenieren, das versuche ich. Momentan geht es mir darum, dass ich Fotos mache, die sich etwas tiefgründiger mit der abgebildeten Person befassen. Wer steckt hinter der äußeren Schale, darum geht es.

Wie gehst du damit um?

Ich beobachte gerne Leute, versuche mir so etwas wie Menschenkenntnis anzueignen. Körpersprache interpretieren, ist da ein wichtiger Punkt. Wenn es um bekannte Persönlichkeiten geht, kann man sich viele Informationen beschaffen.

 


Wie viel Bearbeitung steckt in deinen Arbeiten?

Immer so viel wie ich für angemessen halte. Ich versuche die Bilder schön zu machen, will dabei aber im natürlichen Rahmen bleiben. Wenn es ein unglaubliches Gimick werden soll, stecke ich wohl auch mal vier Stunden Arbeit in ein Bild. Aber normalerweise geht das alles vergleichsweise fix. Ich habe meinen festen Workflow und der funktioniert meistens auch. Wenn ich ein Bild fertig habe und bin dann irgendwie doch nicht zufrieden, fange ich halt nochmal von vorn an.

Wo siehst du dich in drei Jahren?

In drei Jahren sollte mein Studium beendet sein, wenn alles glatt und nach Plan läuft. Zu dem Zeitpunkt sollte mein Netzwerk schon so erweitert sein, dass ich praktisch direkt Geld verdienen kann, zumindest im Raum Nordrhein-Westfalen. Das möchte ich natürlich dann noch ausweiten. Vielleicht mache ich noch eine Assistenz bei einem bekannten Fotografen, aber das ist alles noch nicht sicher. Wenn ich überlege, dass ich vor drei Jahren angefangen habe Fotos zu machen, ist es ziemlich schwierig jetzt zu sagen, was die nächsten drei Jahre bringen. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich mir bis dahin einen guten Namen gemacht habe. Wo ich dann wohne, hängt auch teils davon ab, wie es in meinem Privatleben aussieht. Zumindest hab ich eine Freundin, mit der ich fest in meiner Zukunft plane.

 

 

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