Malte Pietschmann

Wenngleich das gewählte Studienfach etwas anderes vermuten lassen mag, schlägt das Herz von Malte Pietschmann für die Fotografie. Der gebürtige Bayreuther studiert im 5. Semester Medienmanagement in Leeuwarden, Holland. Zur Fotografie ist er während einer Reise durch Indien gekommen. Vor zwei Jahren hat er begonnen, sich intensiver mit Fotografie auseinanderzusetzen. Seitdem interessiert sich Malte hauptsächlich für Portrait- und Modefotografie.

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Bayreuth nach Leeuwarden – wie kam es dazu?

Schon seit ich meinen ersten Computer von meinen Eltern bekam, habe ich ein großes Interesse für das Internet und eigentlich alles, was mit Medien zu tun hat. Daher machte für mich ein medienaffiner Studiengang natürlich am meisten Sinn. Ich wollte allerdings zumindest vorerst nicht in Deutschland studieren. Nach all den Jahren in Deutschland hatte ich mir vorgenommen mal rauszukommen und etwas anderes kennenzulernen. Die Studienbedingungen in Holland sind sehr gut. Die Studiengänge sind vergleichsweise klein, das Studium an sich ist sehr praxisnah, die Betreuung ist super und ich wollte einfach in englischer Sprache studieren.

Welche Erfahrungen konntest du in Holland sammeln?

Das Erste was mir auffiel war, dass die Holländer unglaublich offen, locker und kontaktfreudig sind. Während in Deutschland das Thema Bildung oft unnötig steif angegangen wird, sind uns die Holländer da meiner Meinung nach etwas voraus. Sie geben dem Nachwuchs mehr Möglichkeiten, sich frei zu entfalten, ihren eigenen Weg zu finden und ihn dann zu gehen. Gerade im starken Praxisbezug der verschiedenen Studiengänge sehe ich einen deutlichen Vorteil gegenüber einem Studium in Deutschland. Rein stupides Pauken ist vielleicht nicht immer die beste Lernmethode. Viel wichtiger finde ich es, das Gelernte anzuwenden und sich seine eigenen Gedanken, beispielsweise durch das Entwickeln eigener Konzepte, zu machen.

 

Hast du schon eine Idee, wohin es dich nach deinem Studium verschlagen wird ?

Ehrlich gesagt, bin ich offen für alles. Da gibt es kaum etwas, was ich kategorisch ausschließen würde. Meine Reisen nach Südostasien in den vergangenen Jahren haben mir gezeigt, wie viel Interesse ich an anderen Kulturen und Lebensstilen habe, wie viel es da draußen eigentlich zu entdecken gibt und dass man wohl manchmal einfach nur etwas Mut haben muss. Nach wie vor steht jedoch Berlin sicherlich recht weit oben auf meiner Liste. Aber am Ende kommt dann doch eh meistens alles anders als man denkt, oder?

 

 

 

 

Wieso gerade nach Asien?

Zufall. Meine damalige Freundin und ich wollten nach dem Abitur raus aus der Kleinstadt, raus aus Deutschland und etwas von der Welt sehen. Also haben wir uns über Work&Travel-Angebote in Australien erkundigt, die oft nicht gerade billig sind. Während dieser Zeit kam gerade eine Bekannte aus Indien zurück und hat unglaublich von diesem Land, über das wir ja eigentlich kaum was wussten, geschwärmt. Alles, was irgendwie anders ist, hat mich schon immer irgendwie neugierig gemacht und gereizt. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, dass ich auf diese Art angefangen habe zu reisen.

Konntest du dich für die asiatische Kultur begeistern?

Ganz ehrlich? In den ersten vier Wochen in Indien habe ich das Land verflucht. Der Dreck, die Hitze, der Gestank in den Straßen –  ich habe mich einfach unwohl gefühlt, was auch daran lag, dass wir ein Tagesbudget von zehn Euro hatten. Während dieser Zeit war ich meiner damaligen Freundin wohl nicht der beste Reisepartner. Da kollidierten eben zwei komplett unterschiedliche Wertesysteme. Von westlichen Werten ein wenig Abstand zu gewinnen und sich komplett auf dieses Land, dessen Kultur und Menschen einzulassen, hat bei mir etwas gedauert. Aber das war es wert. Und wie. Die Inder sind unglaublich gastfreundlich und warmherzig. Die Uhren ticken dort einfach etwas langsamer, die Menschen nehmen sich für alles mehr Zeit. Asien ist unglaublich kontrastreich, gerade Indien im Hinblick auf den Hinduismus, was ich immer sehr spannend fand.

War die Kamera in Indien dein treuer Begleiter?

Nein, ganz und gar nicht. Genau genommen hatte ich gar keine. Um ehrlich zu sein, war mir auf den endlos langen Zugfahrten durch das Land einfach langweilig. Also habe ich angefangen mit der DSLR-Kamera meiner damaligen Freundin rumzuspielen. Kein besonders cooler Einstieg in die Fotografie, ich weiß.

 

 

 

 

 

 

Hast du dir nach der Reise deine eigene DSLR-Kamera gekauft?

Ein Jahr danach, ja. In Indien zu fotografieren, hat einfach viel Spaß gemacht, weil alles neu und unbekannt war.
Deutschland, vom Land und der Kultur  her gesehen, fand ich direkt danach vergleichsweise unspannend. Einfach, weil ich es schon kannte und gar nicht so recht wusste, was man in so einem Land jetzt noch groß fotografieren sollte. Damals hatte ich mich ja noch nicht weiter mit Fotografie auseinandergesetzt und daher auch kein besonders großes fotografisches Interesse. Hinzu kam auch, dass ich im Internet immer all diese tollen, offenblendigen Bilder mit natürlichem Licht gesehen hatte. Dieser Bildstil, der mit einer Canon 450D und einem EF-S 18-55 mm f3.5-5.6 nicht unbedingt leicht zu erreichen ist. Das wollte mir so in dieser Form alles nicht so richtig Spaß machen. Daher kaufte ich mir Ende Dezember 2008 meine erste eigene Kamera.

Stellten sich schnell die ersten Erfolge ein?

Zumindest hatte ich das Gefühl. Am Anfang fotografiert man seine Tastatur, blendet auf f1.4 auf, achtet in der Bearbeitung auf schicke, aber dann objektiv betrachtet doch recht trashige Farben und glaubt voller Stolz und Erfolgsgefühlen, das sei dann Fotografie. Für mich war der Einstieg in die Fotografie eine super Zeit, weil man durch die recht steile Lernkuve ständig neue Erfolgserlebnisse hat. Mit der Zeit wird das alles komplizierter.

Deine Bilder, die in Indien entstanden sind, zeigen Menschen, die auch Leid in ihrem Leben erfahren haben.  Welche Gedanken hattest du beim Fotografieren?

Ich bin prinzipiell sehr an Menschen und ihren Geschichten interessiert. Das hat zuerst einmal gar nichts mit Fotografie zu tun. Ich finde Menschen einfach spannend. Fotografie schien mir da nur ein geeignetes Medium, um Dinge sichtbar zu machen und Situationen festzuhalten. Während meines ersten Trips nach Indien hatte ich ja wie gesagt kein großes Interesse an der Fotografie. Ich habe einfach das festgehalten, was ich gesehen habe und was mich interessiert hat. Spannende Gesichter und Momentaufnahmen aus dem indischen Leben. Mittlerweile glaube ich, dass das Interesse am Motiv der eigentliche Schlüssel zu guter Fotografie ist. Meine Herangehensweise war damals noch eher intuitiv und ohne große Vorüberlegungen. Im Grunde genommen, hat sich das auch nicht groß verändert. Das ist auch der Grund dafür, dass ich mir momentan eine kleine Auszeit gönne, um meine Projekte zukünftig etwas anders anzugehen. Ich fotografiere das, was ich spannend finde und so gerne ich jetzt auch von einem unglaublich komplexen künstlerischen Prozess sprechen würde, habe ich oft einfach Glück, dass die Ergebnisse hinterher ganz gut aussehen.

Wie wichtig ist dir die Nachbearbeitung deiner Bilder?

Wichtig. Aus meiner Sicht wird die digitale Nachbearbeitung oft missverstanden. In der analogen Fotografie hat man alleine durch das Verwenden eines bestimmten Films den Look des Bildes maßgeblich bestimmen können. Wer in RAW-Formaten fotografiert und sich das Rohmaterial ansieht, weiß, dass das Material, was seine Ästhetik betrifft, nicht annähernd mit den meisten Analogfilmen mithalten kann. Dinge wie Kontrast, Sättigung, Farbe, Schärfe und Tonung müssen da einfach noch herausgearbeitet werden. Auch die eigentliche Farbgebung im Bild unterscheidet sich ja stark zur Analogfotografie. Die Stimmung des Bildes durch seine Farbe zu definieren, bedeutet nicht nur sich kreativ austoben zu können, sondern ist für Fotografen, die digital arbeiten, in meiner Auffassung ein wichtiges Stilmittel und irgendwann einmal vielleicht auch ein Alleinstellungsmerkmal.

 

 

 

 

 

 

Wie lange schraubst du an einem Bild, bis es in deinen Augen perfekt ist?

Das kann ich so gar nicht pauschalisieren. Das ist von Genre zu Genre und sogar von Bild zu Bild ganz unterschiedlich. Wenn beispielsweise zuerst eine komplette Beauty-Retusche gemacht werden muss, dann sitzt man natürlich wesentlich länger an einem Bild, als wenn es ein Portrait aus Indien ist, das per se einfach nicht retuschiert wird. In meinem Bearbeitungsprozess experimentiere ich nach wie vor sehr viel, was auch der Grund dafür sein mag, dass einige Arbeiten in ihrer Bearbeitung noch nicht ganz rund wirken. Ich arbeite nicht mit Presets und verfolge, zumindest nicht bewusst, auch keine bestimmten Stile. Meine eigene Stilfindung ist für mich daher ein zentrales Thema. Auch wenn bei einigen Arbeiten seitens der Kritiker viel Gegenwind kommt, weil ich mal wieder über das Ziel hinausgeschossen bin. Trial & Error ist einfach wichtig und ich finde es spannend meinen eigenen Weg zu gehen. Wie lange ich also an einem Bild sitze, hängt davon ab, wie gut es meine kreative Fee an dem Tag mit mir meint.

Was macht Fotografie für dich aus?

Leidenschaft und kreative Spielwiese. Ich versuche mir da nicht so viele Gedanken zu machen, weil ich zugegebenermaßen kein besonders großer Freund von „Fotophilosophie“ bin. Sie entwickelt sich mit mir und begleitet mich. Wie in der Musik auch, ist in der Fotografie nahezu alles möglich. Sie kann emotional berühren, sie kann nüchtern dokumentieren oder auch einfach reine Ästhetik vermitteln. Es gibt quasi keine Grenzen. Mal ganz ehrlich: Wie cool ist das denn?

 

 


Konntest du schon Erfahrung hinsichtlich der Studio-Fotografie sammeln?

Jein. Wie man sich vorstellen kann, ist eine verschlafene Kleinstadt im Herzen Frieslands nicht unbedingt das Zentrum der Kreativindustrie. Dementsprechend schwer war es in den letzten zwei Jahren für mich mit meinem doch irgendwo begrenzten Studentenbudget an Ressourcen zu gelangen. Also musste viel improvisiert werden. Daher musste ich anfänglich oft auf das 8 Quadratmeter große Esszimmer inklusive Raufasertapete meiner alten WG ausweichen. Mittlerweile arbeite ich aber vor einem normalen Hintergrundsystem. Ich liebe die Studio-Fotografie und freue mich sehr darauf, hoffentlich bald in einer Stadt leben zu können, in der der Zugang zu Ressourcen, wie Gemeinschaftsstudios, Modelle, Make-Up Artists, einfacher ist.

Was steht bei dir in der Zukunft an? Was sind deine nächsten Reiseziele?

Ich bin gerade für fünf Monate zum Austausch-Semester in Izmir. Das Studium in den Niederlanden besteht aus drei Jahren an der Uni und einem zehnmonatigen Praktikum im vierten Jahr. Wer allerdings noch einen jungen, erfolgreichen, dynamischen, teamfähigen, offenen, aber vor allem bescheidenen Praktikanten oder Assistenten sucht, kann sich gerne bei mir melden. Der nächste Trip wird aufgrund des Praktikums wohl noch etwas warten müssen. Wenn ich jedoch träumen dürfte, dann würde ich gerne China, Myanmar und Pakistan als nächstes bereisen.

 

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Portfolio:http://www.maltepietschmann.com