Sabine Fischer

Sabine ist 24 Jahre und kommt aus Altenstadt an der Iller, das ist in Mittelschwaben (Bayern). Seit Mitte 2009 ist sie selbständig in den Bereichen Fotografie und Grafikdesign. Davor kam sie zum ersten Mal mit 14 in Kontakt mit der Fotografie in Form einer alten analogen Spiegelreflex von Canon. Auch damals fotografierte sie schon viel die Natur, die sie umgab. Jedoch schweifte sie bald wieder von der analogen Kamera ab. Dann kam sie zu einer gebrauchten Canon EOS 350d – und ab diesem Zeitpunkt Mitte 2008 fing sie an sich der Fotografie immer mehr und mehr zu nähern. Zuerst in Zusammenarbeit mit den alten Analogobjektiven. Danach legte sie sich das 50mm 1.8 II von Canon zu, das sie heute noch regelmäßig für Portraits und Naturfotografie benutzt.

Ich bin ein Emotionsmensch und das ist für mich ein wichtiges Gestaltungselement für meine Fotos.”




Du kommst ja ursprünglich aus Bayern – wirst du dieses Jahr die Wiesn besuchen?
Nein, ich war noch nie der Typ Mensch, der gerne Bier trinkt geschweige denn einen Maßkrug überhaupt halten kann ;) Dazu diese Menschenmassen und um ehrlich zu sein fühle ich mich bei derartiger Musik sehr unwohl.


Arbeitest du heute hin und wieder mit einer analogen?
Hin und wieder, denn die alte Canon von meinem Vater ist noch in meinem Besitz. Ich kaufe mir meist einen Schwarzweißfilm. Allerdings lasse ich mir sehr viel Zeit damit den Film voll zu machen, denn analog fotografiere ich die Menschen in meiner näheren Umgebung wie Freunde und Familie. Eine Analogkamera mit Schwarzweißfilm und einem 50mm Objektiv ist doch immer noch das Beste, um den Charakter der Menschen festhalten zu können. Natürlich auch mit einer digitalen SLR, keine Frage, aber die Analogfotos sind dann doch noch mal eine etwas andere… “tiefere” Welt. Man kann noch ein kleines Stückchen weiter in die Menschen hineinsehen, es hat zumindest den Anschein.

Wenn wir von einer tieferen Welt sprechen: wie stehst du zur Polaroid Fotografie?
Ich wollte mir schon lange mal eine Polaroidkamera zulegen, allerdings hatte ich nie das Glück eine zu finden oder im Internet zu ersteigern. Dazu kommt das Problem der Filme, die längere Zeit sehr rar und teuer waren. Jedoch habe ich gelesen, dass ein Unternehmen letztes Jahr wieder anfing die Polaroidfilme herzustellen. Wenn das so sein sollte würde ich auf jeden Fall noch einmal versuchen eine Polaroid zu kaufen, denn ich mag diesen Effekt. Dieses alte, verwaschene, unscharfe ist eine unglaublich intenive Ausdrucksmöglichkeit für Fotografen.





Du bist sehr vielfältig, was deine Arbeiten angeht. Was liegt dir am besten?

Vielfältig vielleicht, weil ich viel ausprobiert habe. Mal Portrait, Makro, Landschaft, dann wieder Portrait in Richtung Fashion (mit viel Makeup :) ) Ich möchte mich auf nichts versteifen, möchte mir alles offen halten. Ich kann nicht sagen, was mir am Besten liegt, ich kann nur sagen, was ich am liebsten mache, und das sind an allererster Stelle Portraits (Emotion, Charakter) und an zweiter Stelle die Naturfotografien (Farben, Formen).

Deine Portaitaufnahmen sind zum großen Teil schwarz-weiß. Hat das einen Grund?

Für mich ist die Schwarzweißfotografie eine Methode die Gefühle, Gedanken, Konzepte, Charaktere, Situationen, Erinnerungen, Ängste und Schmerzen, die ich darstellen möchte, noch intensiver herauszufiltern. Das Schwarzweiß nimmt eines der genannten Themen und stellt es wie durch Zauberei in den Vordergrund, sodass alles andere nach hinten verschwimmt. Ich finde dieser Prozess ist sehr magisch: wenn ich ein Bild ursprünglich in Farbe fotografiert habe, es dann bearbeite und am Ende sieht es so aus und drückt das aus, was ich wollte – ich das vorher aber mit den eigenen Augen nicht sehen konnte. Nachbearbeitung ist für mich deshalb sehr wichtig.


Deine Naturbilder zeichnen sich wiederum durch dein tolles Farbschema aus.

Ja, das ist die andere Seite, auf der die Farben ein wichtiges Element darstellen. An diesem Punkt kann man ja behaupten, dass sich meine Naturfotos mit den Portraits die Waage halten. Ersteres präsentiert sich in zauberhaften und wunderbaren Farben und Formen und Zweiteres bringt hingegen mehr zum Nachdenken für den Betrachter.


Was sind für dich die negativen Aspekte als freie Fotografin?

Die Kunden kommen erst nach und nach, da mein Name erst die Runde machen muss. Ich arbeite in den ersten Jahren nur für mein Fotoequipment und Studiozubehör. Dazu musste ich mich anfangs oft mit dem Preis und der Bezahlung der Fotoaufträge herumschlagen. Früher habe ich dann manchmal weniger verlangt, da ich es nachvollziehen konnte wenn man wenig Geld hat. Aber inzwischen sage ich den Kunden einfach klipp und klar was Sache ist bezüglich des Preises und den müssen sie dann auch bezahlen, denn es ist doch noch ein gewisser Luxus dabei, den man sich da gönnt.





Was schätzen deine Kunden an dir besonders?

Primär sind es Kundinnen, die auch manchmal Aktfotos von sich haben möchten. Dabei schätzen sie es sehr, dass ich 1. eine Frau bin und 2. alleine fotografiere, es ist sonst niemand anwesend. Ebenso sind viele für die lockere Beziehung dankbar. Bevor es mit dem Shooting losgeht, trinke ich zuerst noch einen Kaffee oder Tee mit der Kundin und versuche durch das Gespräch etwas von ihr zu erfahren. Das macht es mir sehr viel leichter den Charakter beim Shooting ins richtige Licht zu rücken. Ich frage sie Dinge wie “Wie würdest du dich beschreiben? Was sind deine Stärken? Was macht dich aus?”. Danach fange ich an das Make-up aufzutragen und währenddessen erfahre ich meistens noch ein wenig mehr über die Person.


Erzähl uns von deinem schönsten Moment mit einem Kunden.

Das war mit Natalie und Angela, zwei Freundinnen sowie Kundinnen von mir, Ende Juni dieses Jahr. Wir hatten sehr viel Spaß an diesem Shootingtag und gingen gen 19 Uhr noch Richtung Wald. Das Sonnenlicht schien durch die Bäume und ergab ein tolles Bokeh im Hintergrund und die Sonnenstrahlen, die durch die Bäume noch hindurch kamen, zauberten einen hellen Schein ins Bild – es war wunderschön ;)


Hast du Kontakt zu anderen Fotografen ?

Direkten Kontakt nicht, ich kenne leider keinen Fotografen, der mich inspiriert und dessen Fotos mir gefallen, persönlich, aber ich “verfolge” sie auf Twitter, Flickr, und Facebook.


Wie wichtig ist dir Facebook & Co als heutiges Medium?

Es ist mir schon wichtig meine Fotos veröffentlichen zu können und “Schnell an den Mann” zu bringen, um Feedback, Kritik und auch Bestätigung bekommen zu können. Man kann oft selbst nicht beurteilen, ob das Foto nun gelungen ist oder nicht. Durch diese Communities merkt man das recht schnell, ob es ein Hingucker ist.




Folgst du Trends in der Fotografie oder bleibst du deiner Linie treu?

Ich hoffe doch. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob heute noch diese Trends, die es bis vor ein paar Jahren gab, heute noch gibt. Wenn ja bekomme ich nichts davon mit. Natürlich kann es passieren, dass gewisse Elemente oder Konzepte anderen Fotos ähnlich sind. Alles war irgendwann irgendwie schon mal da. Trotzdem hoffe ich, dass meine Fotos immer noch einzigartig sind und bleiben.


Hat sich deine Sicht auf Menschen mit der Fotografie verändert?

Nicht nur über Menschen, auf alles. Ich sehe mit meinen Augen manchmal schon das fertige Bild vor mir. Das sind dann auch oft diese Momente, in denen ich meine Kamera ausnahmsweise mal nicht dabei habe :(


Arbeitest du in deinem eigenen Studio?

Ja, ein extra Raum bei mir Zuhause, wobei das aber immer noch im Aufbau ist. Stück für Stück.


Was stehst als nächstes für dich an?

Ein paar Aufträge für Produktfotografie und Webdesign. Nächsten Monat kommen dann aber wieder Portraitfotos raus. Bald werde ich noch Augsburg erneut besuchen und irgendwann in den nächsten 3 Monaten geht es auf nach Wien. Die Kamera kommt mit.


Sabine Fischers Portfolio